Jesaja 30,15

Im Stillesein und im Vertrauen läge eure Stärke in Jesaja 30,15

Das Stillesein vor dem HERRN ist ein Motiv, das häufiger in der Heiligen Schrift vorkommt. Offenbar hat es eine wichtige Bedeutung. Im Stillesein und Vertrauen liegt die Stärke und Gott streitet für die Gläubigen, während sie still sind – wenn sie ihm vertrauen.

Es ist nicht immer einfach, den eigenen Tatendrang im Zaum zu halten, wenn es um Probleme im Leben geht. Wenn ein Problem auftaucht, erscheint es den meisten Menschen logisch, sofort darüber nachzudenken, welche Schritte dagegen unternommen werden sollten. So dachten auch einst die Israeliten, als sie sich zu Zeiten Jesajas vor Assyrien schützen wollten. Statt Gott um Hilfe zu bitten, dachten sie darüber nach, wie sie mit Ägypten einen Bund schließen können. In Jesaja 30,15 heißt es: “Denn so spricht GOTT, der Herr, der Heilige Israels: Durch Umkehr und Ruhe könntet ihr gerettet werden, im Stillesein und im Vertrauen läge eure Stärke. Aber ihr habt nicht gewollt

Wenn Gläubige sich Gott ergeben, kommt ihre Stärke durch Gott. Gläubige sollten also alle ihre Probleme und Sorgen im Herzen und im Gebet in Gottes Hände geben und erst danach die Herausforderungen angehen. In der Schwachheit wird die Kraft vollkommen, für diejenigen, die auf Gott vertrauen. In 2. Korinther 12,9 schreibt Apostel Paulus: “Und er hat zu mir gesagt: Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft wird in der Schwachheit vollkommen! Darum will ich mich am liebsten vielmehr meiner Schwachheiten rühmen, damit die Kraft des Christus bei mir wohne.” 

Der HERR wird euch streiten, und ihr werdet stille sein

Doch es passiert noch etwas: Während die Gläubigen in der Stille auf den HERRN harren, kommt nicht nur ihre Kraft durch Gott, sondern Gott kann auch für sie streiten, wie es in 2. Mose 14,14 über Israel heißt: „Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“  Das Stillesein ist an vielen Stellen der Heiligen Schrift ein wiederkehrendes Motiv, welches eine ultimative Note transportiert. Im Imperativ heißt es in Habakuk 2,20 zu Gott: “sei still vor ihm, du ganze Erde!”. In Psalm 46,11 wird ebenfalls im Imperativ aufgefordert: “Seid still und erkennt, dass ich Gott bin; ich werde erhaben sein unter den Völkern, ich werde erhaben sein auf der Erde!

Gott ist der Fels, auf dem man sein Haus bauen sollte, wie Jesus in Matthäus 7,24 beschrieb. In Psalm 62,6-9 wird genauer dargelegt, warum Gott der Fels ist – auch hier ist das Stillesein und Hoffen wichtig dafür, dass Gott der Fels der Stärke und eine Zuflucht für den Gläubigen wird: “Nur auf Gott wartet still meine Seele; denn von ihm kommt meine Hoffnung. Nur er ist mein Fels und mein Heil, meine sichere Burg; ich werde nicht wanken. Auf Gott ruht mein Heil und meine Ehre; der Fels meiner Stärke, meine Zuflucht ist in Gott. Vertraue auf ihn allezeit, o Volk, schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht.

Stillesein bei Jesus: Er wird weder schreien noch rufen

Auch Jesus wird in einer der zahlreichen Prophezeiungen im Alten Testament als still beschrieben. Er ist nicht laut, sucht nicht das seine, und versucht sich nicht durch energisches Auftreten oder Hektik Recht zu verschaffen. Gott hat Wohlgefallen an ihm, wie es in Jesaja 42,1-2 steht: „Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte, und mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. Ich habe ihm meinen Geist gegeben; er wird das Recht unter die Heiden bringen. Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.“

Statt wie die Pharisäer laut und öffentlichkeitswirksam zu beten, um den Eindruck von Frömmigkeit zu erwecken, betete Jesus zum Beispiel wie im Garten Gethsemane in der Stille und alleine. Das ordnete Jesus auch den Gläubigen an: Ihr Gebet soll keine öffentlichkeitswirksame Darbietung sein und auch kein zeremonieller Ritus, sondern im Stillesein aus tiefstem Herzen kommen.

Das Beten im stillen Kämmerlein und das Verborgene

Beim Thema “Stille” fällt wahrscheinlich vielen Gläubigen der Vers zum Beten im stillen Kämmerlein ein. Dieser beschreibt auch, wie wir beten sollen: Und zwar in Stille und allein mit Gott. Ab Matthäus 6,6 sagt Jesus: “Du aber, wenn du betest, geh in dein Kämmerlein und schließe deine Türe zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört um ihrer vielen Worte willen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.” Wir sehen hier, wie das Gebet in der Stille charakterisiert wird: 

Das Gebet im stillen Kämmerlein ist in erster Linie kein zeremonieller Ritus. Es muss nicht viele Worte enthalten, nur um der vielen Worte willen. Es wartet nicht mit einer überbordenden Füllmasse auf, um den Eindruck von Frömmigkeit vor sich selbst zu erwecken. Wie immer im Glauben geht es nicht um die quantitative Bandbreite von Werken, sondern um die qualitative Güte des Glaubens. Sprich: Es fallen keine leeren Worte, sondern nur die, die wichtig und absolut ehrlich sind. Daher ist es zwecklos, einstudierte Passagen einfach nur aufzusagen. Der Gläubige sollte mit eigenen Worten bitten. Auch ist es schwierig, mit mantra-artigen Wiederholungen an sich und ohne Glauben irgendetwas bewirken zu wollen. 

Wir sehen aber auch, dass Gott das Gebet kennt, ehe es getätigt wird. Er kennt sogar die zugrundeliegenden Bedürfnisse und weiß, was die Gläubigen benötigen. Umso mehr wird also interessant, Gott mit einem aufrichtigen Gebet die eigene Aufrichtigkeit darzulegen. Und wir sehen, dass das Stillesein ausreichend für die Kommunikation mit Gott ist, da dieser ins Verborgene sieht. Vor Gott wird alles, was im Verborgenen geschieht, offenbar. In Markus 4,22 heißt es: “Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar gemacht wird, und nichts geschieht so heimlich, dass es nicht an den Tag kommt.

Vor allem aber bedeutet das Gebet im stillen Kämmerlein, dass es abseits von anderen Menschen stattfindet – abseits von ihrer Bestätigung oder Ablehnung, von ihrer Achtung oder Verurteilung. Die Welt und das Weltsystem spielen keine Rolle. Der Gläubige macht sich nicht abhängig von den Einschätzungen anderer, sondern trägt sein Anliegen allein Gott vor.

Stillesein ist ein Ausdruck von Demut und Vertrauen

Demut ist das Gegenteil des Stolzes, und Stolz war die erste dokumentierte Sünde in der Heiligen Schrift. Sich zu ergeben, sich nicht mehr auf die eigenen, limitierten Kräfte zu verlassen, sondern nur auf Gott zu vertrauen, ist der Übergang vom Stolz in die Demut. Stillesein drückt also unter anderem die Demut im Herzen aus. Es drückt aus, dass energische und hektische Getriebenheit bei der Lösung eines Problems nicht notwendig ist, – der HERR wird den Gläubigen streiten (2. Mose 14,14). 

Aber mehr noch: Stillesein bedeutet in der notwendigen Konsequenz auch, in der Beziehung zu Gott nicht von anderen Menschen beeinflusst zu werden. Alleine, im abgeschlossenen Raum, nur mit Gott, gibt es keine menschlichen Mittler. Der Gläubige sollte sich seines Glaubens und seiner Beziehung zu Gott so sicher sein, dass er keine Bestätigung von anderen Menschen nötig hat und sich auch von negativen Meinungen nicht aus der Bahn werfen lässt. Egal, ob der Gläubige von anderen Menschen gehasst oder bewundert wird – beides darf ihn nicht affektieren. Im Stillesein und im stillen Kämmerlein allein mit Gott soll das Vertrauen und die Kraft aus Gott kommen.

Die Heilige Schrift verlangt dabei auch nicht das Ignorieren offensichtlicher Probleme im Leben – großer oder kleiner. Viel eher sollen die Gläubigen vor dem Angehen jeder Problemstellung zunächst zu Jesus beten, ihn fragen, ihre Anliegen vortragen – und zwar in Bitten, Flehen und Dankbarkeit. In Philipper 4,6 steht: “Macht euch um nichts Sorgen! Wendet euch vielmehr in jeder Lage mit Bitten und Flehen und voll Dankbarkeit an Gott und bringt eure Anliegen vor ihn.

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